Internes Papier Wie das Eurowings-Personal bei Maskenverweigerern vorgeht

In Flugzeugen gilt Maskenpflicht, doch für das Bordpersonal ist sie schwer durchsetzbar. Ein internes Eurowings-Papier zeigt, wie die Kabinencrew den Spagat meistern soll – und was Passagieren droht.
Eurowings-Flugbegleiterinnen am Flughafen Köln/Bonn

Eurowings-Flugbegleiterinnen am Flughafen Köln/Bonn

Foto: Marius Becker/ dpa

Das Infektionsschutzgesetz ist eindeutig: Nach wie vor müssen in Flugzeugen, U-Bahnen und Bussen, bei der Deutschen Bahn oder in Taxen immer Masken getragen werden.

Weil es gerade an Bord von Flugzeugen immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, wenn die Crew Passagiere auf die Tragepflicht hinwies, befugte Ende Mai etwa die Lufthansa ihre Crews, die Maskenpflicht nicht mehr um jeden Preis durchsetzen zu müssen. In einer internen Risikobewertung kam der Konzern zu dem Schluss, dass die Durchsetzung der Maskenpflicht ein größeres Sicherheitsrisiko sei, als maskenlose Passagiere gewähren zu lassen.

Doch weil die Regel, einen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen, eben trotzdem besteht, ist die Sache komplizierter. In einem internen Papier an Bordpersonal von Eurowings erklärt die Flugbetriebs- und Kabinenleitung der Lufthansa-Tochter das genaue Vorgehen. Demnach müssen nach wie vor maskenlose Passagiere ermahnt werden.

Bereits am Gate und beim Betreten des Flugzeugs sollen Maskenverweigerer mündlich auf die gesetzliche Tragepflicht hingewiesen werden. Sollten sich Gäste trotzdem widersetzen, obliege es dem Kapitän, diese Gäste »von der Beförderung nach den allgemeinen Regelungen« auszuschließen. Auch die Bordansagen bleiben unverändert und es werde weiterhin auf die Maskenverpflichtung hingewiesen.

Dass sich während des Fluges die Besatzung allerdings nicht mehr mit beharrlichen Maskenverweigerern anlegen muss, formuliert das Management so: »Aus Gründen der Deeskalation und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgend entfällt aber eine weitere Durchsetzungspflicht durch die Crew während des Fluges.«

Ein Bußgeldrisiko nur für den einzelnen Gast – nicht die Crew

Beschwert sich ein anderer Fluggast, dass ein Mitreisender keine Maske trägt, sollen Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter den maskenlosen Gast ansprechen, heißt es in dem Papier. »Sollte es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Gästen über das Tragen einer Maske kommen, weist bitte den Gast ohne Maske auf die gesetzliche Verpflichtung hin.«

Mit einer Anzeige durch die Fluglinie müssen zumindest bei Eurowings Maskenverweigerer nicht rechnen. »Eine Anzeige von Gästen, die keine Maske tragen, erfolgt nicht. Im Falle von Beschwerden Dritter können Besatzungen auf die Möglichkeit einer Anzeige bei den zuständigen Behörden nach der Landung verweisen.« Ein Bußgeldrisiko gebe es laut Infektionsschutzgesetz nur für den einzelnen Gast, »nicht aber die Airline oder Euch als operierende Crew bzw. verantwortlichen Luftfahrzeugführer«, heißt es in der Handreichung.

Die Crew muss übrigens »im direkten Kundenkontakt« stets Maske tragen. Sind allerdings keine Gäste an Bord, gelte das Flugzeug als Betriebsstätte. Dann müsse keine Maske getragen werden.