Berufseinstieg als Elektroniker »Ich sorge dafür, dass Brände oder Unfälle erst gar nicht passieren«

Diaa Alameen reist als Elektroniker zu Hotels, Banken oder Krankenhäusern und sorgt dafür, dass der Strom sicher fließt. Hier erzählt er, warum sein Handwerk ihn nicht körperlich anstrengt, aber viel Konzentration braucht.
Aufgezeichnet von Anne Baum
Elektroniker Diaa Alameen: »Ich will noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Handwerksberufe begeistern«

Elektroniker Diaa Alameen: »Ich will noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Handwerksberufe begeistern«

Foto: Kathrin Jegen / ZWH e.V.

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Diaa Alameen, 28, arbeitet als Elektroniker.

»Ich sorge dafür, dass Brände oder Unfälle erst gar nicht passieren, indem ich Geräte und elektrische Anlagen auf Schäden überprüfe. Bei einem Auftrag in einem Hotel kam ich allerdings zu spät. Zwei Tage zuvor hatte ein Gast einen Stromschlag durch einen Föhn erlitten – einige Kupferkabel lagen offen, und er hatte sie versehentlich berührt. Er landete für mehrere Tage auf der Intensivstation zur Beobachtung. Zum Glück hat er überlebt.

Als Kind habe ich mir nicht vorgestellt, Elektroniker zu werden. Aber manchmal kommt alles anders: Wegen des Krieges in meinem Heimatland Syrien musste ich fliehen. In Deutschland wäre es sehr kompliziert gewesen, meine syrische Hochschulreife anerkennen zu lassen. Ich habe es gar nicht erst versucht. Ich wollte lieber schnell eigenes Geld verdienen, statt lange zu studieren.

Am meisten interessierte mich der IT-Bereich, aber es gab keine freien Ausbildungsplätze. Dann machte ich ein Praktikum in der Elektronik– und bewarb mich sofort für die Ausbildung. Mir gefiel das selbstständige Arbeiten und die Herausforderung, mich mit verschiedenen elektrischen Geräten oder Anlagen auseinanderzusetzen.

Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre und ist dual. Man ist während dieser Zeit jeweils drei Wochen im Betrieb, die vierte Woche an der Schule. Dort gibt es Fächer wie Elektrotechnik, aber auch Politik. Es gibt unterschiedliche Fachrichtungen für Elektroniker. Ich habe Gebäudetechnik gelernt, arbeite aber gerade in der Elektroprüfung.

Viele Menschen denken beim Handwerk an Staub und Dreck. Aber staubig ist es in meinem Job selten, und körperlich anstrengend ist er auch nicht. Gelegentlich muss ich unter einen Tisch zur Steckdosenleiste krabbeln.

Viel auf Reisen, oft allein

Als Elektroprüfer bin ich in ganz Deutschland unterwegs. Von meinem Arbeitergeber habe ich einen Firmenwagen, einen Laptop und ein Telefon. Die neuen Einsatzorte bekomme ich vom Vertriebler per Mail zugeschickt. In den ersten sechs Wochen begleitete ich einen Kollegen, um die Abläufe besser kennenzulernen.

Mittlerweile arbeite ich seit fast zwölf Monaten im Unternehmen und bin viel allein unterwegs, nur bei größeren Aufträgen auch mal mit mehreren Kolleg:innen. Einmal im Monat treffe ich das Team zu einer Onlinebesprechung. Dann tauschen wir uns zum Beispiel über technische Neuerungen wie neue Prüfgeräte oder Anschlüsse aus.

»Dank meines Jobs komme ich an Orte, die ich sonst niemals betreten dürfte.«

Für Betriebe gelten Vorschriften, wie oft sie ihre Elektrik überprüfen lassen müssen, das kann jährlich oder auch monatlich sein. Sie vereinbaren Termine mit meinem Arbeitgeber, und ich prüfe dann alles, von der Lampe im Krankenhaus bis hin zu den Toastern im Hotel.

Es ist ein Beruf mit viel Spannung – und damit meine ich nicht nur die Elektrik. Dank meines Jobs komme ich an Orte, die ich sonst niemals betreten dürfte: große Industriehallen, klinische Hochschulen oder den Tresorraum von Banken. Letztens war ich bei einer Polizeischule und konnte mir die Asservatenkammer ansehen und noch etwas über Beweissicherung lernen.

Strom abstellen, auf Schäden prüfen, Spannung messen

Bevor ich anfange, berate ich mich mit dem Unternehmen darüber, welcher Bereich vom Netz genommen wird. Denn es wäre fatal, etwa im gesamten Krankenhaus einfach den Strom abzuschalten. Auch für IT-Betriebe könnte es teuer werden, wenn es dadurch zu einem Betriebsausfall kommt. Die Mitarbeiter:innen müssen rechtzeitig informiert werden, damit sie ihre Daten sichern oder den Ausfall durch Ersatzgeräte überbrücken können.

Manchmal sehe ich schon auf den ersten Blick, ob ein Gerät Schäden hat. Dann sind etwa die Kabel aufgescheuert oder der Stecker ist zersprungen. Solche Geräte sortiere ich sofort aus oder gebe Anweisungen, sie reparieren zu lassen. Mit einem Messgerät führe ich außerdem eine komplette Messung durch und überprüfe etwa die Spannung. Anhand des Messergebnisses sehe ich, ob das Gerät oder die elektrische Anlage die vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten.

»Ich muss immer hellwach sein und darauf achten, dass keine Spannung auf dem Gerät ist.«

Von meinem Beruf geht eine gewisse Gefahr aus. Wenn ich eine falsche Stelle berühre, bekomme ich einen Stromschlag. Das kann ein ganz leichter sein. In seltenen Fällen geht so was auch mal tödlich aus. Ich muss immer hellwach sein und darauf achten, dass nicht doch noch Spannung auf dem Gerät ist. Aber ich habe keine Angst. Bis jetzt habe ich noch keinen Stromschlag bekommen. Außerdem sind auch andere Berufe gefährlich.

Wer Elektrotechniker werden will, kann zwischen verschiedenen Fachrichtungen  wählen. So gibt es etwa »Energie- und Gebäudetechnik« oder »Automatisierungstechnik«. Je nach Spezialisierung unterscheiden sich die Arbeitsorte und Aufgaben.

Die Ausbildung dauert insgesamt 3,5 Jahre und es gibt keine offizielle Zugangsvoraussetzung . In der Berufsschule gibt es allgemeinbildende Fächer wie Mathematik und fachspezifische Lehrinhalte. Außerdem ist die Ausbildung dual. Man braucht also einen Vertrag mit einem Ausbildungsbetrieb.

Wer möchte, kann sich nach der Ausbildung zum Elektrotechniker weiterbilden oder einen Meistertitel machen. Die Weiterbildung zum Elektrotechniker dauert zwei Jahre in Vollzeit und kann aber auch in Teilzeit absolviert werden. Auf die Meisterprüfung kann man sich zum Beispiel in Lehrgängen der Handwerkskammern vorbereiten.

Je nach Größe und Entfernung des Auftrages übernachte ich manchmal abends im Hotel. Mir macht es nichts aus, für ein paar Tage unterwegs zu sein, vielleicht wäre das anders, wenn ich schon eine eigene Familie hätte. Gerade bin ich in Wuppertal, letzte Woche war ich in Köln. Abends laufe ich manchmal durch die Straßen und schaue mir die Städte an. Ich verdiene im Jahr rund 33.000 Euro brutto – die Unterkünfte bekomme ich aber bezahlt, und außerdem gibt es eine Verpflegungspauschale.

Schon vor der Pandemie wollte ich den Meistertitel machen. Doch wegen der Pandemie fielen viele Kurse aus. Hoffentlich starten sie jetzt bald. Ich bin zufrieden mit meinem Job, aber mein Traum ist es, selbstständig zu sein. Dann kann ich noch mehr Verantwortung übernehmen. Mittlerweile bin ich sogar Botschafter für das Handwerk und versuche, noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Handwerksberufe zu begeistern.«