Schlafzimmer aus Glas am Seeufer in Dalsland, Schweden
Schlafzimmer aus Glas am Seeufer in Dalsland, Schweden
Foto:

Anna-Len

Schlafen in der Natur Mikro-Lodges, Glampingzelte und ein Bett mit Milchstraßenblick

Glühwürmchen zählen, vor dem Schlummern den Mond anschauen: Ein neues Reisebuch präsentiert Europas beste Schlafstätten mit Outdoor-Feeling. Gäste dürfen nur eins nicht vergessen.

Es war ein Experiment. Als fünf Städter im Jahr 2017 für drei Tage in die westschwedische Region Dalsland reisten, durfte das Blutdruckmessgerät nicht fehlen. Denn bei dem wissenschaftlich begleiteten Versuch wollte man herausfinden, wie gut die Natur tut. Dafür wurden spezielle Hütten aus Glas angefertigt und an einem See aufgestellt. Nur ein Bett, die Bäume am Ufer und dieser beruhigende Blick aufs Wasser.

»Schon nach 72 Stunden Outdoorleben wurden bei allen geringere Stresspegel, niedrigere Blutdruckwerte und gesteigerte Kreativität gemessen«, heißt es in einem neuen Buch übers Übernachten in der Natur. Die minimalistischen Holzhäuschen mit Wänden und Dach aus Glas habe man damals nach dem Anti-Stress-Experiment einfach stehen lassen, sie könnten nun »für eine Erholungspause vom Hamsterrad des Alltags gebucht werden«, so schreibt es der Lonely Planet in »Unter freiem Himmel«.

Geordnet nach 22 europäischen Ländern stellen in dem Buch Autorinnen und Autoren mehr als 200 Ziele vor: Baumhäuser, Glampingzelte, Tiny Houses, Mikro-Lodges, ein Holzfloß in Kopenhagen und Kunststoffkuppeln, die aussehen wie gigantische Seifenblasen.

Für jedes Land gibt es nicht nur konkrete Ideen fürs Draußendösen, sondern stets auch einen Leitfaden, welche entsprechenden Regeln vor Ort gelten – etwa fürs Wildcampen. Ein paar Beispiele:

  • Gemeinhin bekannt ist wohl, dass das Paradies für Wildcamper Skandinavien ist. Die Grundregeln etwa für Schweden: Bestelltes Land meiden und mindestens 70 Meter Abstand zu Wohnhäusern halten. »Für mehr als drei Zelte oder zwei Nächte am selben Platz muss man die Grundeigentümer um Erlaubnis fragen.«

  • Frankreich dagegen unterscheide »zwischen dem Zelten für eine Woche am Strand und diskretem Kampieren für eine Nacht weit abseits von Straßen, Ackerland und Wohngebäuden«. Man müsse sich ein abgeschiedenes Plätzchen suchen, nach 19 Uhr ankommen und vor 9 Uhr wieder verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen. Reisende sollten sich jedoch am besten vor Ort informieren, da auch abweichende Regeln gelten können.

  • Estland etwa biete in Nationalparks wie Matsalu und Lahemaa Plätze zum Wildzelten, während es in Polen mittlerweile in Staatsforsten erlaubt sei.

  • »In Großbritannien ist wildes Zelten gewöhnlich tabu; eine Ausnahme für Fernwanderer sind die Moore von Dartmoor.«

  • In Deutschland ist wildes Zelten ebenfalls verboten. Es gibt allerdings in der Felslandschaft des Nationalparks Sächsische Schweiz  die Möglichkeit, in ausgewiesenen Freiübernachtungsstellen (sogenannten Boofen, die außerhalb der Kernzone liegen) zu übernachten. Das ist allerdings nur Menschen erlaubt, die zum Klettern dort sind – und künftig wird dies zu bestimmten Jahreszeiten auch gar nicht mehr möglich sein. Bedrohte Tierarten sollen während der Brutzeiten nicht gestört werden.

Und wie sieht's aus, so ein Bett im Freien?

Viel gemein haben die beschriebenen Unterkünfte nicht. Mal sind es urige Berghütten wie die alten schiefergedeckten Häuser im Tessiner Verzasca-Tal. Mal sind es originelle Neubauten, »geometrische Wunderwerke auf Stelzen«, wie die Kudhva-Hütten an einem gefluteten Steinbruch im englischen Cornwall. Gemein haben sie bloß, dass eine Buchung stets auch eins dieser Naturerlebnisse verspricht, nach denen sich immer mehr Menschen sehnen.

Der Lonely Planet beschreibt diese Hütten als »Cornwalls originellste Unterkünfte in der Natur«: »Wäldchen laden zu Spaziergängen ein, und im gefluteten Steinbruch kann man baden.« Zur Ausstattung gehören neben Bettzeug auch eine Feuerstelle und Duschen.

Der Lonely Planet beschreibt diese Hütten als »Cornwalls originellste Unterkünfte in der Natur«: »Wäldchen laden zu Spaziergängen ein, und im gefluteten Steinbruch kann man baden.« Zur Ausstattung gehören neben Bettzeug auch eine Feuerstelle und Duschen.

Foto: George Fielding

Noch abenteuerlicher erscheint dagegen biwakartiges Baumzelten, wobei man auf einer in den Wipfeln schaukelnden Feldbettkonstruktion nächtigt – und zwar aussichtsreich über einer Saarschleife.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Viele Orte haben den gewissen Instagram-Appeal. Doch eins dürfen die Gäste nicht vergessen: Irgendwann nicht nur das Smartphone auszuschalten – sondern auch mal die Augen zuzumachen.

Diese Tipis auf einem Hügel im Parc National des Pyrénées sind handgefertigt

Diese Tipis auf einem Hügel im Parc National des Pyrénées sind handgefertigt

Foto: Tipis Indiens

Bei manch einer der beschriebenen Unterkünfte fragt man sich ernsthaft, wie man da einschlafen soll – so schön ist die Sicht auf Berggipfel, Basaltklippen oder die Milchstraße.

Berg mit Bett: Den jeweiligen Standort solch einer Unterkunft erfahren die Gäste erst bei Buchung. So viel sei verraten: Sie liegt in den Schweizer Alpen

Berg mit Bett: Den jeweiligen Standort solch einer Unterkunft erfahren die Gäste erst bei Buchung. So viel sei verraten: Sie liegt in den Schweizer Alpen

Foto: René Niederer / Appenzeller and Tourism Switzerland

Nicht jede empfohlene Unterkunft ist so konzipiert, dass man tatsächlich unter freien Himmel schläft. Manchmal sind auch noch eine dünne Zeltplane oder ein paar Zentimeter Holz zwischen Mensch und Natur. Als Inspiration für ein Ausbrechen aus dem Alltag taugt die Sammlung allemal.

Dünen, Strand und viele Seeschwalben: Im Mündungsgebiet des Ythan können Schottland-Reisende ihr persönliches Schlafglück in solchen sogenannten bothies aus Birkenholz finden

Dünen, Strand und viele Seeschwalben: Im Mündungsgebiet des Ythan können Schottland-Reisende ihr persönliches Schlafglück in solchen sogenannten bothies aus Birkenholz finden

Foto: Lee Fowlie

»Der Ruf der Wildnis ist lauter als je zuvor«, schreibt Matt Phillips in seinem Vorwort. Immer mehr Menschen ziehe es hinaus aus ihren Häusern und Wohnungen. Hinein in – so etwas?

Kuppelkojen auf terrassenartigem Ackerland in den Bergen der Sierra de Segura

Kuppelkojen auf terrassenartigem Ackerland in den Bergen der Sierra de Segura

Foto: Greetje Mulder / Otro Mundo

Dass Campingplätze schon immer die Möglichkeit boten, mit wenig Brimbamborium gefühlt im Freien zu übernachten, scheinen viele vergessen zu haben. Die Nachfrage nach sogenannten Glamping-Unterkünften scheint immer noch zu steigen. Anders wäre es nicht zu erklären, warum immer mehr Camps luxuriöse Lodge-Zelte aufstellen, in denen Gäste richtige Betten vorfinden und sich nicht mit gebrochenen Zeltstangen und Löchern in der Luftmatratze herumärgern müssen.

Strand und Schlafzimmer gehen bei disem Glamping-Zelt auf der Halbinsel Chalkidiki (Griechenland) ineinander über

Strand und Schlafzimmer gehen bei disem Glamping-Zelt auf der Halbinsel Chalkidiki (Griechenland) ineinander über

Foto: Armenistis

Leben in der Blase: Glamping-Fans finden Unterkünfte weltweit in allen Formen. Diese Schlafkugeln ermöglichen den Blick in die Sterne, da sie nach oben hin mit einem transparenten Dach ausgestattet sind.

Landrefugium »Mil Estrelles« in Katalonien

Landrefugium »Mil Estrelles« in Katalonien

Foto: Gabriela Medina

Diese Bubbles seien »allesamt recht geräumig und luxuriös«, schreibt der Lonely Planet. Eine biete sogar eine frei stehende Badewanne.

Anzeige
[Lonely Planet]

Unter freiem Himmel Europa: Aufregende Spots für Glamping, Camping, Wildcampen, Cabins, Tipis und Hütten

Seitenzahl: 280
Für 26,95 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Sterne gucken – das geht auch in den Rundzelten und Jurten auf einem Öko-Campingplatz in Portugal. Er liegt in den Bergen der Serra da Estrela. »Hier wird man von den zwitschernden Vögeln und dem Plätschern des Mondego-Flusses geweckt.«

Runde Sache: Glamping in den Bergen der Serra da Estrela

Runde Sache: Glamping in den Bergen der Serra da Estrela

Foto: Senses Camping & Glamping

Wenn die Morgensonne über den Weizenfeldern in Aschach an der Steyr aufgeht, dann ist das sicher noch lange kein Grund, dieses Bett zu verlassen.

Freiluftbett auf einer Wiese im österreichischen Ennstal

Freiluftbett auf einer Wiese im österreichischen Ennstal

Foto: Michael Leitner

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war eine falsche Angabe zur Sächsischen Schweiz enthalten. Dort ist wildes Zelten nicht erlaubt, es gibt allerdings Ausnahmen für Kletterer, die in sogenannten Boofen schlafen dürfen. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

jus