SPIEGEL-Spitzengespräch Ukrainischer Botschafter Melnyk will sich bei Scholz für »Leberwurst«-Aussage entschuldigen

Seine Aussage, Kanzler Scholz spiele »eine beleidigte Leberwurst«, sorgte für diplomatischen Unmut. Nun gibt sich der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk im SPIEGEL-Spitzengespräch zerknirscht.
Andrij Melnyk im SPIEGEL-Spitzengespräch

Andrij Melnyk im SPIEGEL-Spitzengespräch

Foto: DER SPIEGEL

Die Aussagen des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk bringen seit Beginn des russischen Angriffskrieges immer wieder die deutsche Öffentlichkeit und Diplomatie in Aufruhr. Seine »Leberwurst«-Aussage über Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sorgte im Mai für diplomatische Verstimmungen zwischen Kiew und Berlin. Nun will sich Melnyk beim SPD-Politiker persönlich dafür entschuldigen.

»Das ist eine Äußerung, die ich im Nachhinein natürlich bedauere«, sagte Melnyk im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen. »Ich werde mich bei ihm persönlich entschuldigen«, fügte er hinzu. Die Äußerung sei »diplomatisch nicht angemessen« gewesen und sie habe »viele Menschen nicht nur in Deutschland vor den Kopf gestoßen«.

Scholz besuchte nach langem Zögern Mitte Juni die Ukraine. Anfang Mai hatte er allerdings entschieden, vorerst nicht nach Kiew zu reisen. Zuvor war Bundespräsident Steinmeier kurz vor seinem geplanten Besuch in Kiew von der ukrainischen Regierung ausgeladen worden. Melnyk sagte daraufhin, der SPD-Kanzler spiele »eine beleidigte Leberwurst«.

»Mein Präsident war not amused«

Melnyks Aussage sorgte offenbar auch innerhalb der ukrainischen Regierung für Unmut: »Mein Präsident war not amused«, sagte Melnyk über die Reaktion Wolodymyr Selenskyjs. Dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba habe er seine Aussage erklären müssen. Der Botschafter fügte hinzu, er habe noch nicht mit dem Kanzler darüber gesprochen, hoffe aber, diese Möglichkeit zu haben.

Melnyk bekundete zudem, Deutschland zu lieben. Er könne sich vorstellen, auch nach seiner Amtszeit als Botschafter dauerhaft in Deutschland zu bleiben: »Ich wäre nicht nach Deutschland gekommen, auch als Diplomat, wenn ich die Sprache nicht geliebt hätte, die Kultur nicht genossen hätte und auch die Menschen nicht respektiert hätte«, sagte er.

Zu den negativen Reaktionen von Teilen der deutschen Öffentlichkeit auf seine Aussagen seit Kriegsbeginn sagte Melnyk: »Bei alledem, was wir heute in diesem Kriegstagen hören müssen von vielen Deutschen: Ich liebe nach wie vor Deutschland als Land.«

col