Grenzregion zu Pakistan Zahl der Todesopfer nach Erdbeben in Afghanistan steigt auf mindestens tausend

Bereits erste Meldungen deuteten auf verheerende Schäden eines Erdbebens in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion hin. Nun haben die Behörden die Zahl der Opfer deutlich nach oben korrigiert.
Zerstörungen in der afghanischen Provinz Paktika

Zerstörungen in der afghanischen Provinz Paktika

Foto: Bakhtar News Agency / dpa

Das Ausmaß der Zerstörung nach einem Erdbeben in den afghanischen Provinzen Paktika und Chost ist größer als zunächst bekannt. Nach offiziellen afghanischen Angaben kamen bei dem Beben am späten Dienstagabend (Ortszeit) mindestens tausend Menschen ums Leben.

Zuvor war bereits von 280 Todesopfern die Rede gewesen. Mindestens 1500 Bewohner im Osten Afghanistans seien nach dem Beben verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Bakhtar am Mittwoch.

Ersten Berichten zufolge gestalteten sich die Rettungsarbeiten in der abgelegenen Bergregion schwierig. Mehrere Hubschrauber wurden in die Unglücksregion geschickt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Die Taliban, die seit August 2021 wieder in Afghanistan herrschen, riefen eine Notsitzung des Kabinetts zusammen. Ein Regierungssprecher rief Hilfsorganisationen zur Unterstützung auf. Bereits am Mittwoch trafen Helfer des Roten Halbmonds ein.

Stärke von mindestens 5,9

Die US-Erdbebenwarte (USGS) vermeldete für das Beben kurz vor 23 Uhr Ortszeit die Stärke 5,9 sowie ein etwas schwächeres Nachbeben. Demnach befand sich das Zentrum des Bebens rund 50 Kilometer südwestlich der Stadt Chost nahe der Grenze zu Pakistan in rund zehn Kilometern Tiefe. Pakistanische Behörden hatten das Beben mit einer Stärke von 6,1 registriert.

Erschütterungen waren offenbar in weiten Teilen Pakistans, auch in der Hauptstadt Islamabad und selbst in Lahore im Osten des Landes zu spüren. Über Schäden oder Verletzte in dem Land war nach ersten Angaben jedoch nichts bekannt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif drückte im Internet seine Betroffenheit aus und stellte Hilfe für die Menschen in Afghanistan in Aussicht.

Foto einer Rettungsaktion in der Nacht

Foto einer Rettungsaktion in der Nacht

Foto: Uncredited / dpa

Erdbeben sind in Afghanistan und vor allem in der Bergkette Hindukusch keine Seltenheit. Wegen der mangelhaften Bausubstanz vieler afghanischer Häuser sind die Schäden oft verheerend. Die Naturkatastrophe trifft Afghanistan in einer ohnehin schwierigen Zeit. Die humanitäre Lage hat sich seit dem Abzug der westlichen Truppen und der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban weiter verschlechtert. Es fehlt etwa an Lebensmitteln und Medikamenten.

Ein Augenzeuge berichtete von der Zerstörung in den betroffenen Gebieten. »Überall herrscht ein großes Chaos. Ich habe in einer Stunde hundert Leichen gezählt«, sagte der Journalist Rahim Chan Chushal. »Das Grauen ist groß. Die Eltern können ihre Kinder nicht finden und die Kinder ihre Eltern nicht. Jeder fragt sich, wer tot ist und wer lebt. Die Häuser sind aus Lehm, und deshalb wurden sie alle durch die starke Erschütterung zerstört.«

Bereits jetzt schlimmstes Erdbeben seit Jahrzehnten

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist das Erdbeben bereits jetzt das schwerste seit rund 20 Jahren. Bei einem Beben im Hindukusch im Jahr 2002 waren demnach 1100 Menschen ums Leben gekommen. Ein besonders schweres Erdbeben ereignete sich zudem 1998 im Norden des Landes. Damals starben in der Provinz Tachar mindestens 4700 Menschen.

fek/dpa/AP/AFP/Reuters