MacBook Pro M2 im Test Apple zündet die zweite Stufe

Der erste Computerchip von Apple war ein Meilenstein. Jetzt kommt ein Notebook mit dessen Nachfolger. Wir haben es getestet und festgestellt: Diesmal liegt der Leistungszuwachs auf einem anderen Niveau.
Das neue MacBook Pro 13 Zoll mit M2-Chip und M2-Bild

Das neue MacBook Pro 13 Zoll mit M2-Chip und M2-Bild

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit der neuen Version des MacBook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm macht Apple mir das Leben einfach. Denn auf die Frage, was bei dem neuen Modell denn nun anders ist als bei dessen Vorgänger, fällt mir die Antwort leicht: sehr wenig.

  1. Es hat einen neuen Chip, den M2.

  2. Man kann es mit bis zu 24 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher bestellen, acht mehr als bisher.

  3. Es ist teurer geworden und kostet in der günstigsten Version 1599 Euro, den Vorgänger mit M1-Chip bekam man noch ab 1412,45 Euro.

Ansonsten hat sich nicht viel getan bei Apples kleinem Profi-Notebook. Anders als das neue MacBook Air, das um den M2 herum vollkommen neu gestaltet wurde, steckt das MacBook Pro 13-Zoll in dem gleichen Gehäuse wie das Vorjahresmodell und dessen Vorgänger, hat die gleichen Anschlüsse, den gleichen Bildschirm, die gleiche Tastatur und sogar die gleiche Touchbar.

Die Touchbar im MacBook Pro: Flexibler als Funktionstasten

Die Touchbar im MacBook Pro: Flexibler als Funktionstasten

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

So wird der schmale OLED-Bildschirm oberhalb der Tastatur genannt, der anstelle von Funktionstasten eingebaut wird und je nach Software unterschiedliche Funktionen übernehmen kann. In Programmen wie Logic Pro X kann das nützlich sein. Besonders populär ist die Touchbar aber offensichtlich nicht geworden, in den 14- und 16-Zoll-Varianten des MacBook Pro, die Apple im vergangenen Herbst vorgestellt hat (hier unser Test ), gibt es sie jedenfalls nicht mehr.

Damit lassen sich viele Dinge in wenigen Worten klären: Der Bildschirm des neuen Modells ist ebenso gut wie der im Vorgänger, und auch die überarbeitete Tastatur ist viel besser als die knallharte und laut klappernde mancher Vorgänger, viel weicher, leiser und direkter. Das TouchPad ist riesengroß und lässt jeden Gedanken an eine Maus verpuffen, der schwarze Balken im Bildschirm, in dem Kameras und Sensoren stecken, ist allerdings auch noch da, wo er manche Menschen stört.

Die Anschlüsse in der Übersicht: Links die beiden Thunderbolt-Ports, rechts die Kopfhörerbuchse
Die Anschlüsse in der Übersicht: Links die beiden Thunderbolt-Ports, rechts die Kopfhörerbuchse

Die Anschlüsse in der Übersicht: Links die beiden Thunderbolt-Ports, rechts die Kopfhörerbuchse

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL / Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Auch die Anschlüsse sind identisch, es gibt zwei Thunderbolt/USB-C-Buchsen und eine für Kopfhörer, mehr nicht. Dafür gibt es aber auch Bluetooth 5.0 und Wifi 6 für alles, was man kabellos erledigen kann. Auf einen HDMI-Port oder gar einen Kartenleser, wie bei den größeren Pro-Modellen, muss man verzichten.

Von allem etwas mehr

Stattdessen gibt es den M2-Chip, den Apple gerade erst auf der Entwicklerkonferenz WWDC enthüllt hat . Einer seiner Vorteile: Er kann mit mehr Speicher bestückt werden, was bei manchen Anwendungen in der Bild- oder Videobearbeitung wichtig sein kann. Das Upgrade von acht auf 24 GB ist mit 460 Euro allerdings auch kein Schnäppchen.

Vor allem aber soll er mehr Leistung liefern. Dafür haben Apple-Chipentwickler ihm statt bisher acht nun zehn Grafikkerne eingebaut und den Datendurchsatz des Arbeitsspeichers gegenüber dem M1-Chip um 50 Prozent auf satte 100 Gigabyte pro Sekunde hochgeschraubt. Vor allem bei großen Datenmengen dürfte das helfen. Die Verarbeitung von Videos wird zudem durch eine sogenannte Media Engine beschleunigt, die es auch in den Pro-, Max- und Ultra-Versionen des M1 gibt. Effektiven Nutzen hat man davon freilich nur, wenn man selbst Videos in hohen Auflösungen wie 4K und 8K auf dem Notebook bearbeitet.

Muss man nicht schwarz-weiß sehen: MacBook Pro mit M1 (links) und M2

Muss man nicht schwarz-weiß sehen: MacBook Pro mit M1 (links) und M2

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Aber was bringt das alles? Im Alltag gar nichts. Beim Websurfen, Filmegucken, Mails-Schreiben und Texten in Word ist das alte MacBook Pro ebenso dramatisch unterfordert wie das neue. Erst bei anspruchsvollen Anwendungen machen sich die Unterschiede bemerkbar. Im Cinebench-Leistungstest der 3-D-Software Cinema 4D etwa erreicht das M2-Modell rund 13 Prozent höhere Leistungswerte als das MacBook mit M1. Beeindruckender ist der historische Vergleich: Ein MacBook Pro von 2017 kam im Test nur auf ein Viertel der Performance des aktuellen Modells.

Die Benchmarktests der Bildbearbeitungssoftware Affinity Photo brachten ähnliche Ergebnisse. Nur bei den Werten für Apples Grafiktechnologie Metal liegt der M2-Chip mit 36 Prozent Mehrleistung deutlich vor dem M1. Davon dürften vor allem Spiele profitieren. Was mir bei diesen Tests auffiel: Wenn der Lüfter des neuen Modells bei hoher Last anspringt, ist er etwas lauter als der des M1-MacBooks. Per App aus 50 Zentimetern Abstand gemessen liegt das M1-Modell bei 29 Dezibel, das M2-Modell bei 30 Dezibel, ein marginaler Unterschied. Beides liegt etwa auf dem Niveau eines leisen Flüsterns.

Bemerkenswert war der Ausdauertest in Cinebench. Er zeigte, dass die enorme Akkulaufzeit der aktuellen MacBooks – Apple gibt bis zu 20 Stunden an – ihre Grenzen hat, wenn man den Chip ohne Pause auf Volldampf laufen lässt. Nach zweieinhalb Stunden, in denen das M2-MacBook seinen Vorgänger beim Erzeugen einer 3-D-Grafik immer wieder überrundete, schalteten sich beide Geräte mit einem Abstand von nicht mal 30 Sekunden mit leerem Akku ab.

Stresstest: MacBook Pro mit M1 (links) und M2 (rechts) im Cinebench-Dauerlauf

Stresstest: MacBook Pro mit M1 (links) und M2 (rechts) im Cinebench-Dauerlauf

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Wer vor allem liest und schreibt, dürfte freilich selten in solche Situationen kommen. In alltäglichen Workflows geben die Lüfter des MacBook Pro keinen Mucks von sich, der Chip legt viele seiner Rechenkerne schlafen, und entsprechend lange hält der Akku durch. Je nachdem, was man unterwegs mit dem Gerät anstellt, kann man das Netzteil gern mal zu Hause lassen.

Fazit

Ein »Oha«-Erlebnis wie das erste MacBook mit Apple-Chip gibt es bei dem neuen Modell nicht. Der Leistungszuwachs des M2-Chips gegenüber dem M1 ist in vielen Bereichen so moderat, dass man ihn im Alltag nicht spürt. Bei gleicher Akkulaufzeit bekommt man mehr Leistung. In erster Linie werden davon Nutzerinnen und Nutzer von Spielen, Videoprogrammen und Bildbearbeitungssoftware profitieren.

Nach dem gewaltigen Sprung nach vorn, den der M1 gebracht hat, könnten solche moderaten Verbesserungen die Zukunft der Apple-Chips sein. Was okay wäre. Die weitaus meisten Anwendungen sind schon mit dem M1 vollkommen übermotorisiert. Wichtiger als mehr Power ist für viele Anwender ohnehin die Ausdauer, von der auch der M2 reichlich bietet, wenn man ihn nicht bis zum Anschlag fordert.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort