Nach Antisemitismus-Eklat Volker Beck und Josef Schuster fordern Rücktritt der Documenta-Chefin

Sabine Schormann soll ihren Posten als Documenta-Generaldirektorin räumen: Das legen ihr nun die Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Zentralrats der Juden nahe.
Documenta-Generaldirektorin Schormann: Untersuchung der Ausstellung auf »weitere kritische Werke« angekündigt

Documenta-Generaldirektorin Schormann: Untersuchung der Ausstellung auf »weitere kritische Werke« angekündigt

Foto: Swen Pförtner / dpa

Nach der Absage von Bundeskanzler Olaf Scholz wächst auch von anderen Seiten der Druck auf die Chefin der Weltkunstschau Documenta. Im Antisemitismus-Eklat werden Forderungen nach personellen Konsequenzen laut. Entsprechend äußerte sich etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG). »Die Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann, muss unverzüglich zurücktreten oder vom Aufsichtsrat abberufen werden«, sagte der DIG-Präsident und ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Zuvor hatte sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, für personelle Konsequenzen ausgesprochen.

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, hat von den Verantwortlichen der Kasseler Kunstausstellung eine rückhaltlose Aufarbeitung gefordert. »Die Documenta hat in massiver Weise Vertrauen in Politik und Kunstszene verspielt«, sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Und das ist nicht plötzlich geschehen, sondern das Ausmaß ist mit den anhaltenden Antisemitismusvorwürfen seit Anfang des Jahres kontinuierlich angewachsen.«

»Menschenverachtende Ausfälle«

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte, es gelte, »schonungslos aufzuklären, wie es zu diesem beschämenden Vorfall kommen konnte und wer wann für welche Entscheidungen konkret Verantwortung getragen hat«. Das Wichtigste sei, dass daraus auch Konsequenzen gezogen würden. »Wer diese menschenverachtenden Ausfälle gutheißt, darf in Deutschland nicht die Verantwortung für ein international bekanntes Kulturevent tragen.«

Schormann hat unterdessen eine Untersuchung der Kasseler Ausstellung auf »weitere kritische Werke« angekündigt. »Dabei wird auch Ruangrupa seiner kuratorischen Aufgabe gerecht werden müssen«, sagte sie in einem Interview der »Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen«. Das indonesische Kollektiv Ruangrupa kuratiert die Documenta fifteen. Unterstützt werde die Gruppe nun von anerkannten Experten wie Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main.

Die bereits seit Längerem schwelende Antisemitismusdebatte um die Kunstausstellung eskalierte Anfang der Woche mit der Aufmerksamkeit für ein großformatiges Banner. In dem Werk namens »People's Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi sahen viele eine antisemitische Bildsprache. Die Verantwortlichen der Documenta entschieden, das Bild mit schwarzen Stoffbahnen zu verhängen. Am Dienstagabend wurde es dann ganz abgebaut.

Der Vorsitzende des Documenta-Forums, Jörg Sperling, hat die Entfernung des Kunstwerks kritisiert. »Eine freie Welt muss das ertragen«, sagte er. Das Werk sei am Dienstag »auf politischen Druck hin« abgehängt worden. Es gehe in dieser Debatte um Politik, nicht um Kunst. Kanzler Scholz dagegen bezeichnete das Kunstwerk über eine Sprecherin als »abscheulich«. Er werde die Documenta fifteen nicht besuchen.

ime/dpa/AFP