Zur Ausgabe
Artikel 71 / 72
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Russlands stockender Angriffskrieg in der Ukraine, der Kampf von Umweltschützern gegen Schottergärten und die Probleme beim schnellen Ausbau der erneuerbaren Energie – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 20/2022

Eingebrochen, nicht untergegangen

Heft 19/2022 Titel: Putins Desaster – Wie stark ist Russland wirklich? 

  • Mit dem Titelbild erweckt der SPIEGEL den Eindruck, die russische Armee sei am Ende. Eingebrochen ist sie, untergegangen sicher nicht. Die zahlenmäßige Überlegenheit und die Brutalität beim Einsatz machen sie weiterhin sehr gefährlich!
    Hans Rentz, Waging am See (Bayern)

  • Das Desaster, das ich mir vom SPIEGEL besonders in den Fokus gerückt wünschte, ist doch, dass man offensichtlich bei Wladimir Putin immer noch nicht weiß, mit wem man es wirklich zu tun hat! Hier scheint mir die Politik doch sehr im Strudel reiner Spekulationen verfangen zu sein. Zumindest hat es für mich nicht den Anschein, dass hier im Geheimen ein Heer an namhaften Psychiatern, Psychologen und Psychoanalytikern im Hintergrund wirkt. Das aber halte ich angesichts der prekären Lage für unabdingbar.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Natürlich ist es richtig, dass der SPIEGEL über die schrecklichen Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine informiert. Bei diesem Titelartikel zeigt sich aber eine klammheimliche Freude darüber, wie stümperhaft dieser Angriff vorbereitet und durchgeführt wurde, wie mangelhaft die militärische Ausrüstung ist und welch hohe Opferzahlen die russische Seite zu verzeichnen hat. Dabei gerät die selbstverständliche Tatsache in den Hintergrund, dass auch die Soldaten eines Aggressors Menschen sind. Wäre es nicht jetzt an der Zeit, dass der SPIEGEL in einer Titelgeschichte analysiert, ob und welche Möglichkeiten es gibt, das furchtbare Blutvergießen zu beenden? Da hat die Politik offensichtlich Nachholbedarf, denn mit einer Reise nach Kiew ist es nicht getan. Deeskalation sollte kein Schimpfwort sein, und nicht jeder, der die Lieferung von immer schwereren Waffen zumindest für problematisch hält, ist ein pazifistischer Spinner oder Putin-Versteher.
    Brigitte Schellnhuber, Ingolstadt

  • Was mich am meisten erschreckt, ist die Tatsache, dass viele Russen die offensichtlichen Lügen von Putin glauben. Bei Trump war dies genauso. Demokratien, auch Scheindemokratien wie Russland, leben davon, dass die Bürger halbwegs rational diskutieren und entscheiden.
    Peter Pielmeier, Alsbach (Hessen)

  • Beim Lesen des Artikels über zwei ukrainische Elitesoldaten erschrecke ich zunehmend. Da werden Informationen über Orte und Unterkünfte preisgegeben, die geheim bleiben müssen. Sicher wird der SPIEGEL auch von regimetreuen Russen gelesen, die diese Informationen an das russische Militär weitergeben. Ich finde es unverantwortlich vom SPIEGEL, Insiderwissen über das ukrainische Militär zu veröffentlichen. Es darf nicht darum gehen, die Neugier der Leser zu befriedigen und damit die Auflage der Zeitung zu erhöhen, sondern oberstes Ziel muss es sein, das Leben der tapferen Ukrainer zu schützen und ihnen zu einem Sieg über die russischen Streitkräfte zu verhelfen! Dafür ist Geheimhaltung von strategischen Planungen oberstes Gebot!
    Ute Latendorf, Buxtehude (Nieders.)

  • Putins Land hat außer dem alles dominierenden Militärkomplex und dem fossilen Energiereichtum international nichts zu bieten! Das Militär erfährt nun seine schmachvolle Begrenzung. Die überreichen Bodenschätze werden (hoffentlich) bald nicht mehr gebraucht. Was bleibt Putin dann noch? Reagiert er wie ein waidwundes Tier, oder kommt er zur Einsicht?
    Wilhelm Stauch-Becker, Stuttgart

  • Vielleicht ist es an der Zeit, Russland auf seine natürliche Größe gesundzuschrumpfen. Denn derzeit ist es ein territorial überdehnter, militärisch völlig überrüsteter, ein wenig zu groß geratener und von einer mafiösen Clique unterwanderter Kleinstaat. Kein Imperium. Keine Weltmacht.
    Eckhardt Kiwitt, Freising

  • So wie der SPIEGEL über Putin berichtet, kann einem angst und bange werden. Wie wird der russische Präsident diese Schmach hinnehmen? Indem er doch noch auf den alles vernichtenden Knopf drückt?
    Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)

Mit anderen Augen auf die Welt

Nr. 18/2022 Der indische Intellektuelle Pankaj Mishra über die fehlgeleitete Strategie des Westens gegenüber Moskau 

  • Ausgesprochen vernünftige Gedanken von Pankaj Mishra! Der Westen muss in der Tat konstruktive Vorschläge für die Politik der Zukunft machen, mit viel Bescheidenheit und politischem Realismus, aber viel weniger Moralismus. Kurzfristig ist die volle Unterstützung der Ukraine wohl alternativlos, aber was soll danach kommen?
    Rainer Timm, Seeheim-Jugenheim (Hessen)

  • Als 74-jähriges Ergebnis westlich geprägter Ideologie war ich sehr beeindruckt von der Sichtweise des indischen Intellektuellen auf die Ukrainekrise im globalen und historischen Zusammenhang. Es drängt mich, künftig häufiger auch mit anderen Augen auf die Welt zu schauen.
    Hans-Werner Evers, Duisburg

  • Auf knapp zwei Interviewseiten wurde uns eine Geschichtslektion erteilt, die die Komplexität und Vorgeschichte des Ukrainekriegs beleuchtet und dabei die west­liche Scheinheiligkeit nicht ausspart. Wer sich mit den letzten 200 Jahren Weltgeschichte halbwegs ernsthaft beschäftigt hat, also weder verklärt noch durch die ideologische Brille, kann den Ausführungen Mishras kaum etwas entgegensetzen. Glaubt nach den letzten Fehlschlägen west­licher Sicherheitspolitik wirklich noch jemand, dass man mit mehr Waffen und ideologischer Auf­rüstung für Stabilität, Sicherheit, Demokratie und Wohlstand weltweit sorgen kann? Ich habe das ungute Gefühl, dass wir auf einer immer steiler abfallenden schiefen Ebene ins Rutschen gekommen sind und demnächst den kritischen Kipppunkt erreichen, ab dem es nur noch eine Richtung gibt. Eigentlich ahnen wir es, aber wir können und wollen es weder hören noch wissen – geschweige denn bis zu Ende denken.
    Kerstin Thiele, Hennigsdorf (Brandenb.)

  • Die verstörenden Solidaritätsbekundungen mit Putin auf dem Westbalkan rufen übliche antiserbische Ressentiments hervor: Kein Wort davon, dass die Nato-Bombardierungen 1999 völkerrechtswidrig und aus erfundenen Gründen heraus vorgenommen wurden, kein Wort darüber, dass Bosnien-Herzegowina als gescheiterter Staat bezeichnet werden muss – dort soll seit 1995 im Kleinen das funktionieren, was auch unter Mithilfe des Westens 1991 im Großen zerschlagen wurde. Zu differenzierten, multikausalen und -perspektivischen Sichtweisen war »der Westen« noch nie wirklich in der Lage, und in dieser Hinsicht sind die Äußerungen Pankaj Mishras bemerkenswert.
    Karl-Christian Weber, Heilbronn

  • Eine hervorragende Weltsicht. Solche Leute bräuchte die Politik dringend. Ein wunderbarer Mensch.
    Gisela Neudeck, Wiesbaden

Ekel vor der Natur

Nr. 18/2022 Vom Kampf gegen Schottergärten 

  • Dramatischer als der ökologische Schaden durch sterile Gärten ist ihre Funktion als Indikator für Naturentfremdung: Wer sich in dieser selbst geschaffenen lebensfeindlichen Umwelt wohlfühlt, hat jeden emotionalen Bezug zu unseren Mitgeschöpfen verloren. Erhebliche Mittel werden für den Kampf gegen alles Lebendige aufgewandt, der zugleich ein Riesengeschäft ist. Jahrzehntelange Aufklärung scheint bei großen Teilen der Bevölkerung keine Wirkung zu zeigen, und es stellt sich die Frage: Wozu Naturschutz, wenn sich viele Menschen vor eben­dieser Natur offensichtlich ekeln oder gar Angst vor ihr haben? Die natürliche Vielfalt überfordert wohl das Gehirn des Homo sapiens, und er reagiert gemäß seiner eigenen Natur: Hau drauf.
    Dr. Christian Stierstorfer, Regensburg

  • Diese Woche wurde ich von einer jungen Frau gefragt, was sie gegen Raupen im Ziergarten machen könnte. Erst als ich die Zusammenhänge erklärt habe, dass sie sich doch über Schmetterlinge und brütende Vögel freut und dass Raupen Vorstufe beziehungsweise Futter sind, konnte sie sie im Ziergarten akzeptieren. Solche Erlebnisse sind Alarmzeichen. Die Zeit drängt! Das Phänomen der verschobenen Basislinie trägt leider zusätzlich dazu bei, dass Veränderungen nicht wahrgenommen werden: Wenn heute ein Kind nur noch fünf Schmetterlinge im Jahr sieht, wird es als Erwachsener drei Schmetterlinge als normal ansehen. Könnte es die Urgroßeltern noch fragen, für die 1000 Schmetterlinge normal waren, wäre der Rückgang offensichtlich und unerträglich!
    Petra Stripp-Scheuring, Großostheim (Bayern)

  • Kein Hinweis auf die urkomischen Fotobücher von Ulf Soltau von 2019, von denen der SPIEGEL auch noch den Titel abgekupfert hat: »Gärten des Grauens«. Peinlich.
    Detlev Neufert, Bernau am Chiemsee (Bayern)

Keiner fragt!

Nr. 19/2022 Scheitert der schnelle Ausbau der Erneuerbaren? 

  • Sie kritisieren die kurzsichtige Politik der 2000er-Jahre, die dazu führte, dass die Solarbranche nach China auswanderte. Doch der SPIEGEL selbst hat sich vor 20 Jahren vehement gegen die Solarenergie ausgesprochen. Etwas mehr Selbstkritik wäre hier schon angebracht.
    Artur Borst, Tübingen

  • Die Fehlentscheidungen der deutschen Industriepolitik der letzten 20 Jahre fallen uns heute auf die Füße. Deutschland war Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. Die Abwanderung der Technologien und der Produktionskapazitäten Richtung China erschwert heute den Ausbau der Erneuerbaren. Wirtschaft und Politik waren zu sehr am schnellen wirtschaftlichen Erfolg mit China interessiert. Europa hat bis heute Chinas langfristig angelegter politischer und ökonomischer Strategie nichts entgegenzusetzen. Mit unseren kleinstaatlichen Egoismen hatte es das autoritär regierte Land leicht, uns auszumanö­vrieren.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

  • Als grüne Oma und Rheumapatientin lebe ich, 77 Jahre alt, seit Oktober 2021 bei 12 bis 15 Grad Celsius – ohne zu frieren! Meine »Gas-Einzelraum-Feuerungsanlage« ist seit Ende März 2021 abgeschaltet. Das gibt ein tolles Gefühl von Freiheit. Ich erkläre gerne, mit welchen Tricks man das macht – aber keiner fragt! Ausnahmsweise sollte die Industrie, in bescheidenem Maß, mal Vorrang haben, im Sinne der Verantwortungsethik.
    Adelheid Neumann, Hamburg

Entspannt ans Ziel

Nr. 18/2022 Warum das Tempolimit überschätzt wird 

  • Ein Unfallforscher und ein Ökonom hegen Zweifel, ob ein generelles Tempolimit positive Effekte auf die Zahl der schweren Unfälle auf deutschen Autobahnen hätte. Es sollen in Deutschland also weiterhin jährlich bis zu 140 Menschen getötet und viele schwer verletzt werden? So lange, bis aufwendige und zeitintensive Forschungsvorhaben nachweisen, dass weniger Menschen sterben, wenn langsamer gefahren wird? Der Effekt ist in der Wissenschaft unstrittig. Die Zahl der jährlichen Unfallopfer ohne ein Tempolimit hatte SPIEGEL ONLINE 2019 errechnet. Die Datenanalyse wurde von dem Institut des genannten Unfallforschers als »plausibel und sicher« bewertet. Bemerkenswert ist, dass sich dieses Institut die »Vision Zero« auf die Fahnen schreibt: Kein Mensch soll im Straßenverkehr getötet werden. Warum dann freie Fahrt auf »freien« Strecken? Es gibt in Deutschland kein Erkenntnis­defizit, sondern ein Handlungsdefizit. Den Menschen und der Umwelt gegenüber.
    Michael Heß, Alfter (NRW)

  • Seit Jahrzehnten befahre ich Autobahnen konstant mit Tempo 100 bis 120 und komme so entspannt an jedes Ziel. Der Richtwert von 130 wäre bereits unnütze Raserei. Kommt man aus dem umgebenden Ausland zurück, beginnt ab der Grenze ein hek­tisches Treiben auf deutschen Straßen. In der Physik ist klar ge­regelt: höheres Tempo bedingt höheren Verbrauch, mehr Schadstoffe und schlimmere Schadenfolgen bei Unfällen. Fazit: mehr Klimaschäden und weniger Sicherheit.
    Johannes Zink, Norderstedt (Schl.-Holst.)

Nr. 18/2022 Warum Deutschland international Führung übernehmen muss 

  • Herr Heusgen liegt in vielem richtig, nur muss man sich fragen, inwiefern er Angela Merkel jahrelang beraten hat. Er zählt sämtliche Versäumnisse deutscher Sicherheitspolitik der Ära Merkel auf, als wäre er nicht maßgeblich dabei gewesen.
    Sven Becker, Straubenhardt (Bad.-Württ.)

Nr. 18/2022 Die schwierige Reform des Wahlrechts 

  • Ein Zahlenvergleich: Indien, die größte Demokratie der Welt, ein Land von fast 1,4 Milliarden Menschen, bestehend aus 28 Bundesstaaten und dazu noch acht Unionsterritorien, zählt nur 543 Parlamentsabgeordnete.
    Dr. Asok Mukherjee, Erlangen

Nr. 18/2022 Michel Houellebecq prophezeit Frankreich eine düstere Zukunft 

  • Die eloquente Übersetzung ins Deutsche täuscht über den inhaltslosen beziehungsweise sinnlosen Text von Houellebecq hinweg. Vielleicht taugt er als Wahrsager, wenn man sein Hirn mit einer Glaskugel tauscht.
    Jo Konrad, Großerlach (Bad.-Württ.)

Leserbriefe bitte an [email protected] . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 71 / 72
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel