Überfüllte Züge Bahnlobby will Fahrradmitnahme zu Stoßzeiten stärker regulieren

Fahrräder in vollen Waggons bringen oft Ärger – das 9-Euro-Ticket verschärft die Probleme. Mehrere Verbände schlagen nun konsequente Lösungen vor. Davon könnten Radfahrer am Ende auch profitieren.
Nicht immer eine Freude: Mit dem Fahrrad im Regionalexpress

Nicht immer eine Freude: Mit dem Fahrrad im Regionalexpress

Foto: Fabian Sommer / dpa

In diesen Tagen erlebt ein Land, wie es nicht geht. Wer versucht, sich mit einem Fahrrad in einen auch wegen des 9-Euro-Tickets vollgestopften Nahverkehrszug zu quetschen, erkennt, wie schlecht Bahn und Rad in der Praxis oft zusammenpassen. Manchmal wird die Mitnahme gar explizit verboten. Und auch wer mit dem deutlich teureren ICE unterwegs ist, kann sich nicht sicher sein, einen Platz für seinen Drahtesel reservieren zu können.

Wie es besser gehen könnte, wird am Dienstag und Mittwoch auf der Konferenz »Bahn.Rad.Parken«  in Berlin diskutiert. Dort geht es vor allem ums Abstellen des Fahrrads am Bahnhof. So wird am Beispiel der Niederlande eine erfolgreiche Strategie vorgestellt. Auch geht es um die Frage, ob und wie bestehende Autoparkhäuser zu Fahrradgaragen umgerüstet werden können. Doch auch die Mitnahme von Rädern in den Zügen dürfte immer wieder einmal Thema sein.

»Das 9-Euro-Ticket zeigt einmal mehr, dass nicht nur die Mittel für den Schienenverkehr ausgeweitet werden müssen, sondern die Kombination Fahrrad und Bahnen einen substanziellen Beitrag« zum Wachstum umweltfreundlicher Verkehrsmittel leisten könnten, sagte Thomas Prechtl, Präsident des Bundesverbands Schienennahverkehr. Die Organisation hat sich in einer Brancheninitiative  unter anderem mit der Allianz pro Schiene, der Bahn, dem Fahrgastverband Pro Bahn, dem Verkehrsclub VCD sowie dem Bundesverband Zukunft Fahrrad zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie das Zusammenspiel von Bahn und Fahrrad verbessern.

Ein Diskussionspapier der Gruppe unterscheidet bewusst zwischen Fahrradtransit mit und ohne Radmitnahme im Zug. Wenn die Bahnen zu voll seien, würden zusätzliche Räder an Bord andere Fahrgäste verdrängen, heißt es: »In besonderen Stoßzeiten oder Linien wird jeder Quadratmeter in den Zügen für Sitz- und Stehplätze benötigt. Fahrräder im Zug stören dann nicht nur den Betriebsablauf, sondern vereinnahmen pro Rad teilweise den Platz mehrerer Stehplätze.« Nötig seien unter anderem bessere Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen, aber auch Sharing-Angebote. Dann kann es am Ziel mit dem Rad auf das letzte Stück des Weges gehen, auch wenn man sein eigenes Modell nicht dabei hat.

»In Zeiten, in denen regelmäßig Platz für die Fahrradmitnahme vorhanden ist, könnte das Buchen und Reservieren der Mitnahme von Fahrrädern einfacher und planbarer werden«, heißt es in dem Papier weiter. Zudem sei eine »Ausweitung der Mitnahmekapazitäten durch mehr Zugkapazität und umgestaltete Fahrzeuginnenräume wünschenswert«. Diese sei mit den »Ansprüchen der Fahrgäste ohne Fahrrad in Einklang zu bringen«.

»Keine Regeln für den einen auf Kosten des anderen«

Mehr Waggons zu beschaffen, aber auch dichtere Takte einzurichten, brauche Zeit. Das Papier spricht von einer Umsetzung bis 2030. Schneller zu realisieren seien Abstellmöglichkeiten, Sharing- oder Buchungsalternativen. Bike-and-ride-Anlagen für Fahrräder könnten etwa bei zunehmenden Engpässen bei Park-and-ride-Anlagen für Pkw helfen.

Bis zum Ende des Jahrzehnts solle die Politik dafür drei Milliarden Euro für den Ausbau des Fahrradparkens bereitstellen. Bei der Nutzung von Leihfahrrädern am Zielort helfen soll modernde Technik: »Hierfür wünschen wir uns ein offenes Buchungssystem von Miet- und Sharingangeboten in Form einer Web- und App-Lösung, um diese in die Systeme von Kommunen, Aufgabenträgern, Verbünden, Fahrradverleih-, Verkehrs- und Sharingunternehmen integrieren zu können.« Tatsache ist, dass bereits jetzt schlecht informierte Fahrgäste die Bahnen verstopfen .

»Wir alle nutzen Bahn und Bus gemeinsam, es soll keine Regeln für den einen auf Kosten des anderen geben«, so Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Und wenn man sein Rad doch mitnehmen will oder muss? Dann sollen etwa intelligent gestaltete Tarife dafür sorgen, dass das abseits der Stoßzeiten passiert. »Es geht darum, Fahrradkunden und -kundinnen in weniger ausgelastete Züge zu locken, um bei hoher Nachfrage keine Zugreisenden zu verdrängen beziehungsweise Beschwerden anderer Reisender zu reduzieren.«

chs