Unicef-Bericht Fast acht Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung

Klimawandel, Pandemie, Getreideblockade durch den Krieg in der Ukraine: Die Ernährungskrise spitzt sich zu. Besonders betroffen sind Kinder, wie aktuelle Zahlen von Unicef zeigen.
Ein Kind trägt einen Wasserkanister in einem Unicef-Geflüchtetencamp im Jemen

Ein Kind trägt einen Wasserkanister in einem Unicef-Geflüchtetencamp im Jemen

Foto: YAHYA ARHAB / EPA

Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef warnt vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau vor dramatisch steigenden Fällen von Mangelernährung bei Kindern: Fast acht Millionen Kinder unter fünf Jahren in 15 Krisenländern seien dadurch vom Tod bedroht, teilte Unicef Deutschland mit. Die sich weltweit zuspitzende Ernährungskrise habe dazu geführt, dass in diesen besonders gefährdeten Ländern seit Beginn des Jahres die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung um 260.000 Mädchen und Jungen gestiegen sei. Sie müssten sofort therapeutische Nahrung und medizinische Hilfe erhalten.

»Wir erleben gerade, wie ein Pulverfass Feuer fängt«, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. »Nahrungsmittelhilfe ist wichtig, aber wir können hungernde Kinder nicht mit Säcken voller Weizen retten. Wir müssen diese Kinder jetzt therapeutisch behandeln, bevor es zu spät ist.«

1,2 Milliarden Dollar dringend nötig

Für die Versorgung der gefährdeten Kinder unter anderem am Horn von Afrika und in der Sahelzone seien jetzt dringend neue Finanzmittel nötig, erklärte Unicef. So benötige die Organisation 1,2 Milliarden US-Dollar (mehr als 1,1 Milliarden Euro) unter anderem für die Beschaffung und Verteilung von therapeutischer Nahrung.

Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Graf Waldersee, sagte: »Um zukünftig derartige Krisen zu verhindern, reicht es nicht aus, allein deren Symptome zu behandeln. Die G7 müssen zugleich vorausschauend handeln und Ernährungssysteme sowie die gesundheitliche Versorgung von Kindern weltweit nachhaltig sichern und stärken.«

Krieg in der Ukraine eine der Hauptursachen

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eine Hauptursache der derzeitigen Ernährungskrise: Die Ukraine ist normalerweise einer der größten Getreideexporteure der Welt. Durch den Krieg liegen nun aber Felder brach, Getreidespeicher sind zerstört und Häfen blockiert, was zu einer Verknappung auf dem Weltmarkt und damit zu stark steigenden Preisen geführt hat. Hinzu kommen anhaltende Dürreperioden aufgrund des Klimawandels und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie.

Von schwerer akuter Mangelernährung spricht man nach Angaben von Unicef, wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist. Dies sei die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Ein geschwächtes Immunsystem führe zudem dazu, dass das Risiko, dass ein schwer akut mangelernährtes Kind sterbe, elfmal so hoch sei wie bei einem gesunden Kind.

col/AFP/dpa